Bin grad Beifahrer auf einer längeren Autofahrten, deshalb hab ich Zeit
Ich hab den Film bisher noch kein zweites Mal gesehen, daher meine zwischenzeitlich gefestigte Meinung nach dem Kinobesuch:
(Achtung Spoiler)
Der Film hat viele Probleme. Das größte ist meiner Meinung nach die eigene Selbstzensur.
Stromberg war schon immerhin ein narzistisches und sexistisches Arschloch. Ein eigentlich bemitleidenswerter Typ, dem man beim scheitern zuschauen konnte. Jemand der dem Zuschauer charakterliche Abgründe und deren Konsequenzen im Alltag vor Augen geführt hat. Man hat dem Zuschauer zugetraut das selbstständig zu erkennen.
Der neue Film tut das nicht mehr. Hier wird jede Entgleisung von Stromberg sofort eingeordnet und darauf hingewiesen, dass man sowas heute nicht mehr sagen darf.
Überraschung:
Das durfte man vor zwanzig Jahren auch schon nicht. Das hat es ja so lustig gemacht.
Diese Komponente, dieser Kontrast fehlt dem neuen Film völlig. Hier hat man einfach keine Eier gehabt das wie gewohnt durchzuziehen.
Das nächste Problem sind die Charaktere und ihre Eigenheiten. Der Influencer Typ war ultra nervig und dabei auch noch schlecht geschauspielert. Ernie lässt sich nicht mehr triggern und seine Figur verliert damit völlig den Witz, Tanja bumst jetzt mit dem Blockflötengesicht den sie eigentlich nie leiden konnte und Stromberg selbst fällt gleich mehrfach aus der Rolle:
Den Wachmann mit ner Maglite nieder schlagen? Mit ner zerbrochenen Flasche auf Leute im Park zu laufen? Wortlos von der Brücke springen? Really?
Fühlt sich ein wenig so an als würde Husmann seine eigenen Charaktere nicht kennen.
Kommen wir zu der Darstellung der Stromberg Fans: Im Film werden die Fans dargestellt wie prollige Asis, die Stromberg aufgrund seiner krassen Sprüche abfeiern, nach dem Motto "endlich sagts mal einer".
Die Serie hat aber nicht deshalb eine so riesige Fanbase. Die Serie ist intelligent geschrieben, glaubwürdig geschauspielert, meisterhaft in Szene gesetzt (selbst heute fallen mir immer mehr noch kleine Details im Hintergrund auf) und aufgrund ihrer Abstrusität einfach lustig. Das ist der Grund warum das alles so kultig geworden ist.
Hier verkennt bzw beleidigt man schon fast seine eigenen Fans.
Der Film selbst hat aber auch seine Schwächen: Der Plot wirkt zusammengestückelt und ohne roten Faden. Die Handlung findet zu 97% außerhalb der gewohnten Büro Welt statt. Eine Welt in der der typische Stromberg Humor gut funktioniert. Außerhalb eher nicht. Erst recht nicht wenn er sofort wieder eingefangen wird.
Eine der letzten Szenen findet wieder im Büro statt. Und man merkt sofort wie richtig sich das anfühlt und was bisher gefehlt hat. Man freut sich auf ein paar witzige Situationen in gewohnter Umgebung und dann.... Ist der Film zu Ende.
Gut gefallen haben mir das Wiedersehen mit Nicole, Pötsch und Marvin. Und der ein oder andere Spruch war auch witzig, aber alles in allem war das einfach viel zu wenig von dem, was Stromberg eigentlich immer ausgemacht hat. Für mich (und viele andere) definitiv eine Enttäuschung.
Wenn Staffel 6 (es wird gemunkelt, dass eine kommen könnte) genauso auf Sparflamme gekocht wird, brauch ich die echt nicht mehr.